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  Die neuere Geschichte des Marktes Mitterfels

Sanierung – Ankauf – Begegnungsstätte
 
 
 

Seit dem l. Mai 2003 ist die Marktgemeinde Mitterfels Eigentümerin der Burganlage. Der Freistaat Bayern veräußerte das Burggelände samt Hochbauten im Rahmen des Privatisierungsprogramms von staatlichen Liegenschaften. Nach langwierigen Verhandlungen über den Preis (man einigte sich schließlich auf 330.000 €) erfolgte die Übergabe bei einer kleinen Feierstunde im Vortragsraum des Museums durch Landtagsabgeordneten Herbert Ettengruber aus Straubing. So wurden die Mitterfelser Gemeindebürger Burgbesitzer, sie sind jetzt im ursprünglichen Sinn des Wortes „Bürger“. Sechs Jahre früher hätte die Marktgemeinde Mitterfels dieses „mächtige Zeichen seiner geschichtlichen Wurzeln“ nicht annehmen können, hätte es sich doch die Sanierung einer in Teilbereichen maroden, einsturzgefährdeten Burgmauer gar nicht leisten können. Der Bayerische Staat, in dessen Besitz die Burg war, sanierte in den Jahren 1997 - 2000 für rd. 5,5 Millionen DM sehr aufwändig und sorgfältig die einsturzgefährdeten Bereiche und ließ den noch gut erhaltenen Teilen der Anlage eine „kosmetische“ Behandlung zukommen. Es wurden rd. 500 lfd. m bzw. 3000 m Mauerwerk bearbeitet. Der Burghof hat sich seitdem mit vielfältigem Leben gefüllt. An alte Mitterfelser Theatertradition anknüpfend werden im Freien vor herrlicher Kulisse zwischen den Burgmauern schon früher gespielte und neue Singstücke aufgeführt. Die Skiabteilung des TSV Mitterfels organisierte bereits zum zehnten Mal einen Christkindlmarkt, der sich mit seinem Rahmenprogramm wohltuend von den üblichen Märkten unterscheidet. Bei Freiluftkonzerten, Kunstausstellungen, dem „Gartenfestival“ und zuletzt dem Burgmuseumsfest des neu gegründeten  Burgmuseumsvereins werden die verschiedenen Burghofbereiche genutzt. Eine Begegnungsstätte der besonderen Art ist entstanden.
 

 
 

Burgmuseum Mitterfels
Der Anlass, der uns heute hier zusammengeführt hat, ist das 20-jährige Bestehen eines Heimatmuseums, von denen es natürlich unzählige gibt, auf die unzählige Gemeindeväter stolz sind, zumindest bei der Eröffnung. Unter den unzähligen gibt es eine Reihe von besonderen und unter den besonders gelungenen nur ganz wenige einmalige, solche nämlich wie das Mitterfelser.“ So begann der leider so früh verstorbene Kreisarchäologe Karl Böhm seine Laudatio auf Sepp Brembeck zum 20-jährigen Bestehen des Mitterfelser Heimatmuseums beim Festakt im Turmzimmer des Museums (Dezember 2002), auf Sepp Brembeck, der alles, was in den Zellen des ehemaligen Gefängnistraktes der Burg Mitterfels ausgestellt ist, zusammengetragen hat. „Er hat Vieles und wohl nicht selten Einmaliges erworben, vor der gedankenlosen Zerstörung oder der Müllhalde bewahrt, hat’s  o’g’schmatzt, getauscht, in internationaler Bierkastenwährung erworben oder sonst wie seiner Sammlung einverleibt – wer’s ganz genau wissen will, erfährt’s noch genauer: ’Ah ja, woaßt da’s ä selber, wia’s a so her gäd.‘ (Originalzitat Brembeck)“ (aus: Mitterfelser Magazin 9/2003)
 

 
  Vom Beamtendorf zur Wohngemeinde
2005 verlor Mitterfels das letzte Amt

Alois Bernkopf

 
 
 

Mit Wirkung vom l. Oktober 2005 wurde das Forstamt Mitterfels mit dem Amt für Landwirtschaft und Forsten in Straubing fusioniert. Damit verlor Mitterfels die letzte staatliche Behörde. Dabei war der Ort Mitterfels jahrhundertelang Verwaltungsmittelpunkt eines Gebietes, das von Falkenstein im Nordwesten bis vor die Tore der Stadt Deggendorf im Südwesten reichte. Nach dem Aussterben der Grafen von Bogen im Jahre 1242 fiel die  große Grafschaft an die Wittelsbacher und Mitterfels erhielt im Gebiet der bayerischen Herzöge eine zentralörtliche Bedeutung. Es wurde Sitz eines Pfleggerichts und blieb fast 600 Jahre Verwaltungssitz eines der größten Landgerichtsbezirke Bayerns. Der Pfleger von Mitterfels hatte die Oberaufsicht über 50 Gerichtssitze, die sich aus Edelsitzen, Hofmarken und Klöstern zusammensetzten. Dabei war Mitterfels ein bescheidenes Dorf, das im Steuerbescheid von 1579 als „Waldort“ bezeichnet wird, „das außer einer mächtigen Burg nur 19 schindelbedeckte Häuser für Söldner und Handwerker aufweist, vier davon gehören Amtspersonen des  Pfleggerichts.“ Daran änderte sich 200 Jahre kaum etwas. In der „Fassion“ (Steuerbescheid) von 1808 werden lediglich 32 Häuser festgestellt. 1799 wurden die Pfleggerichte in Landgerichte umbenannt und Mitterfels wurde Sitz eines Landgerichts. 1879 wurden die Landgerichte in „königlich-bayerische“ Amtsgerichte umbenannt und aus dem Landrichter wurde ein Oberamtsrichter. 1973 wurde das Amtsgericht Mitterfels aufgelöst und im Zuge der Gebietsreform nach Straubing verlegt. Allerdings sollte das Amtsgericht Mitterfels schon früher aufgelöst werden. 1927 wurde ein bereits erfolgter Auflösungsbeschluss nach heftigen Protesten aus der Bevölkerung und einer „Großen Protestkundgebung“ am 16. Oktober 1927 im Gasthof Abriel in Mitterfels durch den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held zurückgenommen. Maßgeblichen Anteil daran hatte der damalige Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Johann Wartner aus Scheibelsgrub. Auch 1955 konnte die beabsichtigte Auflösung des Amtsgerichts durch ein ausführliches und drastisch formuliertes Schreiben des damaligen Bürgermeisters Albert Dietl verhindert werden. Nach einer umfangreichen Sanierung des Gerichtsgebäudes 1964 schien es zunächst gesichert, aber 1973 erfolgte das endgültige Aus. Bereits 1838 war aus dem südlichen Teil des Landgerichts Mitterfels das Landgericht Bogen gebildet worden. 1861 wurde die Verwaltung und Rechtspflege in Bayern getrennt und Bogen wurde Sitz des Bezirksamtes. 

Die Reformen Montgelas 
Durch die Reformen Montgelas, dem eigentlichen Schöpfer des modernen bayerischen Staates am Beginn des 19. Jahrhunderts, wurden aus den bisherigen Kastenämtern, die den Landgerichten unterstanden, die Rentämter gebildet, die späteren Finanzämter. Trotz dürftiger räumlicher Verhältnisse blieb das neue
Rentamt am  Gerichtssitz Mitterfels. Der Rentamtsbezirk entsprach dem Landgerichtsbezirk und umfasste ca. 800 Quadratkilometer. Er war in 50 Steuerdistrikte eingeteilt; der größte war Bogen mit 904 Untertanen, der kleinste Höhenberg bei Wiesenfelden mit 23 Untertanen. Das heutige Gebäude in der Burgstraße entstand nach An- und Umbauten erst 1911. Später beherbergte es die Polizeistation, heute ist es eine Gaststätte („Felsenkeller“). Von der Zahl der Beamten war das Finanzamt die größte Behörde in Mitterfels. Es beschäftigte immerhin 18 Beamte, die mit ihren Familien in Mitterfels wohnten. Es ist verständlich, dass gerade die Geschäftsleute in Mitterfels an der Erhaltung dieser Behörde am Ort interessiert waren. Protest- und Bittschreiben namhafter Persönlichkeiten aus Mitterfels, z.B. des Bauernbund-Abgeordneten Johann Wartner oder des Benefiziaten Krinner waren vergeblich. Am 30. Juni 1932 wurde das Finanzamt Mitterfels aufgelöst. 1890 wurde in Mitterfels ein Messungsamt errichtet. Es umfasste das Gebiet des Bezirksamtes Bogen mit den Distrikten Bogen und Mitterfels. 1920 war es mit 6 Beamten besetzt; zwei gehörten dem höheren Dienst an (Amtsvorstand und Stellvertreter), dazu kamen zwei Sekretäre und zwei Messungsgehilfen. Das Messungsamt war im ersten Stock des „Lankes-Hauses“ in der Burgstraße 49 untergebracht. 1930 wurde das Messungsamt Mitterfels aufgehoben und mit dem Amt in Straubing vereinigt. Der Hauptgrund für die Auflösung des Finanzamtes und des Messungsamtes war die Wirtschaftskrise Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre. Sie erzwang eine Verwaltungsvereinfachung, die zu Einsparungen im Staatshaushalt führen sollte. Bereits im Jahre 1857 wurde in Mitterfels auch eine Sparkasse gegründet. Nach den „Statutbestimmungen“ führte sie den Namen „Sparkassa-Anstalt des Königlichen Landgerichtsbezirkes Mitterfels“. „Weil die Bogener keine eigene Spakasse auf die Beine brachten, änderte man die Statuten im Jahre 1868 und dehnte das Geschäftsgebiet auch auf den Bogener Landgerichtsbezirk aus“ (Otto Wartner, „Mitterfelser Magazin“ Nr.1/1995, S. 15 f). Bis heute gibt es in Mitterfels eine Zweigstelle der Sparkasse Straubing-Bogen. Zur Vollständigkeit sei noch angeführt, dass es in Mitterfels seit 1914 auch eine Landkrankenkasse gab, die 1934 aufgelöst wurde; eine bestehende Ortskrankenkasse war bereits 1922 wegen Überschuldung aufgelöst worden. Seit 1895 bestand auch ein Krankenhaus in Mitterfels. Es wurde 1936 aufgelassen und die drei Mallersdorfer Schwestern kehrten ins Mutterhaus zurück. Auch ein Kindergarten wurde bereits 1934 in Mitterfels eröffnet. Das Provinzialat der Englischen Fräulein mit Sitz in Passau-Niedernburg hatte die ehemalige Stempfhuber-Villa in der Straubinger Straße von der Pfarrei gekauft und die Schwestern des Ordens bauten den Kindergarten auf. Nach einer sehr bewegten Geschichte konnte der Kindergarten „Don Bosco“ in Mitterfels 1999 sein 65-jähriges Jubiläum feiern.  
 

 
 

Die Nachkriegszeit
Kurz vor Kriegsausbruch 1939 erhielt Mitterfels eine „Landwirtschaftsstelle“, die im ehemaligen Krankenhaus in der Straubinger Straße untergebracht war. Nach häufigem Wechsel des Beratungsdienstleiters in den Jahren 1946/1947 wurde die Dienststelle 1948 zu einem
Landwirtschaftsamt aufgestuft. Neben der Beratungstätigkeit war das Amt auch für die im gleichen Jahr angegliederte Landwirtschaftsschule für Burschen zuständig. 1950 wurde auch eine Haushaltungsschule für Mädchen gegründet. Nach 25-jährigem Bestehen wurde 1973 die Landwirtschaftschule wegen Schülerrückgangs geschlossen. Die Haushaltungsschule wurde als Berufsfachschule für Hauswirtschaft und Kinderpflege weitergeführt und hat heute einen Einzugsbereich, der über den Landkreis Straubing-Bogen hinaus bis in die Landkreise Cham und Regen reicht. Das Landwirtschaftsamt wurde unter Landwirtschaftsdirektor Leo Gottschalk am 1. September 1972 dem  Landwirtschaftsamt in Straubing eingegliedert. 1862 wurden in Bayern die Gendarmeriestationen eingerichtet. Mitterfels war eine davon. Die Landpolizeistation war zuletzt untergebracht im ehemaligen Rentamtsgebäude. 1960 wurden die Landpolizei-Großraumstationen am jeweiligen Landkreissitz eingerichtet. Lediglich acht Außenstellen in Niederbayern wurden belassen, eine davon in Mitterfels. Hier versahen nur vier Beamte den Dienst. Zum Dienstbereich Mitterfels gehörten die Gemeinden Mitterfels, Haselbach, Haibach, Dachsberg und Landasberg. 1963 wurde die Außenstelle Mitterfels aufgelöst. Der ehemalige Landkreis Bogen erhielt erstmals im Jahre 1945 ein eigenes Forstamt. Der 1. Dezember 1945 war die Geburtsstunde des Forstamtes Mitterfels. Vier Außenstellen gehörten dazu: Bogen, Prünst, Falkenfels und Stallwang. Konzell und Mitterfels folgten erst später. Die ersten fünf Jahre war das Forstamt behelfsmäßig im Landratsamt Bogen untergebracht. Von 1950 bis 1960 befand es sich in der oberen Burgstraße. Da ab 1958 dort auch die Forstdienststelle des Forstreviers Mitterfels untergebracht werden musste, wurde der Neubau in der Pröllerstraße errichtet, der 1960 bezugsfertig war. Das Haus in der Burgstraße blieb weiterhin Forstdienststelle, deren Revier 19 Gemeinden von Elisabethszell bis Unterzeitldorn umfasste. Bereits 1973 musste das Forstamt Mitterfels um seinen Bestand kämpfen. Auf Grund der Neugliederung der bayerischen Forstämter wurden 65 Forstämter im Bereich der Oberforstdirektion Regensburg aufgelöst, 13 davon in Niederbayern. Das Forstamt Mitterfels blieb bestehen und umfasste nun den gesamten Landkreis Straubing-Bogen einschließlich der Stadt Straubing. Es war in sieben Forstreviere eingeteilt: Mitterfels, Rettenbach I und II (für den Staatswald), Neukirchen, Stallwang, Straubing und Hofkirchen b. Mallersdorf und umfasste 29.096 Hektar Waldfläche. Durch Ministerratsbeschluss von 11. Juli 1995 sollten weitere 30 Prozent des Forstpersonals „sozialverträglich“ eingespart werden, d.h. Dienstposten, die durch Ruhestandsversetzungen frei wurden, sollten nicht mehr besetzt werden. Mitterfels hatte Glück und das Forstamt wurde nach Ausscheiden von Forstdirektor Fritsch im Jahre 1997 weiterhin besetzt. Doch im Oktober 2005 ist es endgültig aus mit dem Forstamt Mitterfels. Es wird dem „Amt für Landwirtschaft und Forsten“ in Straubing eingegliedert. Die  Forstdienststelle Mitterfels mit Forstamtmann Denk bleibt bis auf weiteres erhalten. Sie ist neben den weiteren Forstdienststellen Konzell, Perasdorf, Aiterhofen und Hofkirchen für die Beratung der Waldbesitzervereinigungen zuständig. Als letztes der Ämter und Behörden in Mitterfels ist nur das Notariat übrig geblieben. Es verdankt sein Bestehen ebenfalls dem Sitz des Landgerichts in Mitterfels. 1861 wurde von König Max II. das „Bayerische Notariatsgesetz“ unterzeichnet. 1862 wurden die ersten Notare vom König ernannt und mussten am Sitz des Landgerichts ihren Wohnsitz nehmen. Sie waren bis 1937 Beamte, ihren Unterhalt jedoch sicherte eine Gebührenordnung und die zahlenmäßige Beschränkung der Zulassungen. Seit 1937 haben die  Notare zwar keinen Beamtenstatus mehr, aber sie sind Träger eines öffentlichen Amtes. Der derzeitige Notar in Mitterfels, Rudolf Hötzl, hat seit 2004 seine Diensträume im Sparkassengebäude in der Lindenstraße. 

Wohngemeinde mit hervorragender Infrastruktur
Trotz dieses Verlustes an Ämtern und Behörden hat sich Mitterfels in den letzten 40 Jahren hervorragend entwickelt. Allein die Bevölkerung hat in diesem Zeitraum um 50 Prozent, das sind rund 1000 Einwohner, zugenommen und dies obwohl im Gegensatz zu anderen Gemeinden bei der Gebietsreform 1978 keine Eingemeindungen vorgenommen wurden. Neben seiner guten Infrastruktur und der ausreichenden  Grundversorgung verfügt der Ort über einige Einrichtungen, die seine überregionale Bedeutung im Landkreis Straubing-Bogen unterstreichen. Genannt seien hier der Sitz der
Verwaltungsgemeinschaft für die Gemeinden Ascha, Falkenfels, Haselbach und Mitterfels, die Hauptschule mit den M-Klassen, die zur „Mittleren Reife“ führen, die Berufsfachschule für Hauswirtschaft und Kinderpflege, die Kreismusikschule, die Bruder-Konrad-Werkstätte für Behinderte und das Seniorenheim des BRK. Außerdem befinden sich in Mitterfels drei Praxen für Allgemeinärzte, drei Zahnärzte, zwei Apotheken, eine Tierarztpraxis, drei Bankfilialen, zwei Großmärkte, ein Freibad mit Hallenbad und Sauna, das vom Biomasseheizwerk beheizt wird, und ein Burgmuseum.

 
     
  Das Perlbachtal
Alois Bernkopf
 
 
 

Es gibt in dem der Donau zugewandten Teil des Vorderen BayerischenWaldes wohl kaum ein Bachtal, das sich mit dem „Perlbachtal“ bei Mitterfels messen kann. Natürlich gibt bzw. gab es viele Perlbäche im Bayerischen Wald. Auf einem Kartenblatt des Landgerichts Mitterfels von 1829 sind acht „Perlbäche“ verzeichnet.
Die Perlfischerei

Den „Perlbächen“ hat natürlich die „Perlfischerei“ den Namen gegeben.1 Die Landesherren sicherten sich das Perlvorkommen in den Bächen zur Mehrung ihrer Einkünfte. So begann in Bayern unter Kurfürst Maximilian I. (1597 - 1651) die intensive Ausbeute der „Perlbäche“. Die Pfleg- bzw. Landgerichte, so auch in Mitterfels, waren mit Überwachung und Vollzug der Perlfischerei beauftragt. In der ersten „Perlordnung“ von 1619 war alles geregelt: Rechte und Zuständigkeiten, Überwachung und Inspektionen, Entlohnung von Hegern und Pflegern, Festlegung der Fischzeiten, Strafen für Perlräuber und für heimliches Handeln mit Perlen. Daher gab es für Zuwiderhandlungen empfindliche Strafen, die vom Einkerkern, Foltern, des Landes Verweisen, bis zum Handabschlagen und Augenausstechen reichten. Die höchste Strafe wurde vom Passauer Fürstbischof Johann Philipp festgelegt:
Darnach wird jeder, der ein Perlwasser in diebischer Weiß betritt - ob er etwas fängt oder nicht, ohne alle Gnad und Barmherzigkeit also gleich aufgehenckt.“
Durch die vielen Kriegszeiten, die über den Bayerischen Wald hereinbrachen, wurde der Perlmuschelbestand in Niederbayern und der Oberpfalz schonungslos ausgeplündert. Vom Aussterben bedroht ist die Perlmuschel jedoch erst in den letzten 50 Jahren. Saurer Regen, Einleitung von Abwässern und Einspülen von Dünge- und Spritzmitteln haben die Perlmuschel fast ausgerottet. Durch Kartierung und Gewässerentwicklungspläne versucht man seit einigen Jahren, dem Einhalt zu gebieten und die Perlmuschel zu retten. Auch in der Menach, an der Gemeindegrenze Mitterfels - Haselbach, stellte man fortpflanzungsfähige Restbestände fest.


Geologische und topographische Gegebenheiten
Das „Mitterfelser Perlbachtal“ ist ein Teilstück der Menach, von Kreuzkirchen im Süden bis zur ehemaligen Eisenbahnbrücke (heute Doanu-Regen-Radweg) im Norden, das sind ca. vier Kilometer. Kein Mitterfelser würde aber jemals das Perlbachtal als Menachtal bezeichnen. Über die Namensdeutung „Menach“ wurde viel spekuliert. Dabei ist nach Sigurd Gall die zweite Silbe „ach“ leicht zu erklären. Sie stammt aus keltischer Zeit, bedeutet „fließendes Wasser“ und ist in vielen Gewässerund Ortsnamen enthalten. Problematisch ist die erste Silbe „men“. Gall kommt zu dem Schluss, die Menach könnte „das aus dem hervortretenden Berg fließende Wasser“ sein. Die Menach mündet wie die übrigen Bäche des Vorderen Bayerischen Waldes in die Donau. Wie die benachbarte Kinsach und der Bogenbach schuf sie ein Erosionstal. Gewaltige tektonische Vorgänge in Urzeiten der Erdgeschichte schufen das Gefälle vom alten Deckgebirge des Bayerischen Waldes aus Granit und Gneis zum Donautal. Durch den Wechsel von Warmzeiten und Kaltzeiten (die letzte Eiszeit endete vor 10.000 Jahren) wurde die Landoberfläche zur heutigen Form modelliert. Unsere heute meist so friedlich dahinfließenden Bäche wirkten dabei mit. Die benachbarte Kinsach schuf ein richtiges breites Urstromtal. Die Menach dagegen suchte sich ihren Weg, indem sie das härtere Gneisgestein umfloss oder mit Hilfe von Frosterosion tiefe Schluchten im Granitgestein schuf. Solche Schluchten oder Taldurchbrüche der Menach finden wir bei Konzell, bei Haselbach (Wenamühl) und im besagten „Perlbachtal“ bei Mitterfels. Als imposantestes Felsgebilde entstand dabei der „Teufelsfelsen“. Vom Burghof geht es 50 Meter bergab und von der Talmühle aus 100 Meter steil bergauf nach Buchberg. 1873 veröffentlichte Kanonikus Prof. Dr. Gmelch in der Zeitschrift „Deutscher Hausschatz“ einen Artikel über Mitterfels unter dem Titel „Mitterfels, ein kleines Jerusalem“  Er hatte Mitterfels als Urlaubsaufenthalt gewählt und schilderte überschwänglich die dortigen landschaftlichen Reize „Hoch über dem Perlbach, der hier eine tiefe, schmale Schlucht in Kaskaden durchbraust, erhebt sich auf zerklüftetem Urgestein die schmucke Ortschaft, auf drei Seiten umrahmt von der blauen Kette der bayerischen Waldberge, mit einem weiten Blick hinab in die fruchtbare Donauebene, ja sogar bis zu den Salzburger Alpen.“ Die vielgestaltige Topographie der Umgebung bringt ihn auf die Idee, die Lage von Mitterfels mit der von Jerusalem zu vergleichen. Als bibelkundiger Chorherr ordnet er die verschiedenen Landschaftsteile bekannten Örtlichkeiten aus der Bibel zu: Im Perlbachtal sieht er das Kidrontal, über die „Kidronbrücke“ an der Talmühle führt der Weg zum Buchberg, den er mit dem Oelberg vergleicht … Seit dieser Zeit wurde das Synonym  Bayerisches Jerusalem“ jahrzehntelang in der Fremdenverkehrswerbung verwendet. Im Jahre 1937 erschien im Verlag Stolz in Mitterfels sogar eine kleine Schrift mit dem Titel „Mitterfels, ein kleines Jerusalem“. Heute wird der Vergleich freilich nicht mehr gebraucht.

Von der Sommerfrische zum Luftkurort

Die landschaftlichen Vorzüge lockten schon frühzeitig Feriengäste an. Der Fremdenverkehr spielte in Mitterfels fast ein Jahrhundert lang eine bedeutende Rolle. 1996 konnte der „Verkehrs- und Verschönerungsverein Mitterfels“ seinen 100. Geburtstag feiern. Wie FranzWartner in der Mitterfelser Chronik schreibt, wird bereits in den Jahren 1893 und 1896 in den Gemeindeprotokollen ein „Verschönerungsverein“ vermerkt, der sich seit Eröffnung der Bahnlinie Steinburg - Konzell um die Aufstellung von Laternen im Ort und der neuen Bahnhofstraße bemüht. 1896 errichtete der Straubinger Bierbrauer Leser, die Zeichen der Zeit erkennend, am neuen Bahnhof eine „Schank- und Gastwirtschaft mit Fremdenbeherbergung“. 1910 gibt es bereits eine Satzung mit heute noch brauchbaren Zielen: Verschönerung des Ortes, Hebung des Fremdenverkehrs, Erschließung der Naturschönheiten durch Wege, Stege, Markierungen und Anpflanzungen. Vorstände des Vereins waren meist Beamte. Aus den Jahren 1901, 1902 und 1910 künden Postkarten von der „Sommerfrische Mitterfels“. 1937 wurde der erste Prospekt gedruckt.7 Da Mitterfels seit 1936 ein Freibad, das „Waldbad“ an der Menach besaß, konnte der Ort vor dem 2. Weltkrieg bereits 100 Fremdenbetten vorweisen. 1957 wurde Mitterfels sogar das Prädikat „Luftkurort“ zuerkannt. Auch diese Auszeichnung hat Mitterfels dem „Perlbachtal“ zu verdanken. Die Fortschreibung dieses Prädikates ist nämlich von der von Zeit zu Zeit erforderlichen Klimaanalyse des Deutschen Wetterdienstes abhängig. Im Gutachten von 1982 heißt es hierzu: Durch die Nähe zur Donauebene weist Mitterfels im Hochsommer für einen Luftkurort zu viele schwüle Tage auf. Entlastung erfährt es jedoch durch die nächtliche Abkühlung „des abendlichen Austausches der wärmeren Luft durch frischere Luftmassen infolge einer Bergwindzirkulation im Einzugsbereich des Menach -Tales“. In den 80er Jahren stieg die Zahl der  Übernachtungen vorübergehend auf 60.000 an. Bei den gestiegenen Ansprüchen des Tourismus besonders im Wellness- und Funbereich kann Mitterfels bei einem bestimmten Klientel nicht mehr mithalten. Bei Urlaubern, die nicht Events, sondern den Reiz der Landschaft, Kultur und Ruhe suchen, ist Mitterfels immer noch eine gute Adresse.
 

 
 
Mitterfels, Luftaufnahme 2007  aus http://www.wikimapia.org
 
 


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Mit freundlicher Genehmigung durch Hr. Haymo Richter     
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