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Die neuere Geschichte des
Marktes Mitterfels
Sanierung – Ankauf – Begegnungsstätte |
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Seit dem l. Mai 2003 ist die Marktgemeinde Mitterfels
Eigentümerin der Burganlage. Der Freistaat Bayern veräußerte
das Burggelände samt Hochbauten im Rahmen des
Privatisierungsprogramms von staatlichen Liegenschaften.
Nach langwierigen Verhandlungen über den Preis (man einigte
sich schließlich auf 330.000 €) erfolgte die Übergabe bei
einer kleinen Feierstunde im Vortragsraum des Museums durch
Landtagsabgeordneten Herbert Ettengruber aus Straubing.
So
wurden die Mitterfelser Gemeindebürger Burgbesitzer, sie
sind jetzt im ursprünglichen Sinn des Wortes „Bürger“. Sechs
Jahre früher hätte die Marktgemeinde Mitterfels dieses
„mächtige Zeichen seiner geschichtlichen Wurzeln“ nicht
annehmen können, hätte es sich doch die Sanierung einer in
Teilbereichen maroden, einsturzgefährdeten Burgmauer gar
nicht leisten können. Der Bayerische Staat, in dessen Besitz
die Burg war, sanierte in den Jahren 1997 - 2000 für rd. 5,5
Millionen DM sehr aufwändig und sorgfältig die
einsturzgefährdeten Bereiche und ließ den noch gut
erhaltenen Teilen der Anlage eine „kosmetische“ Behandlung
zukommen. Es wurden rd. 500 lfd. m bzw. 3000 m Mauerwerk
bearbeitet. Der Burghof hat sich seitdem mit vielfältigem
Leben gefüllt. An alte Mitterfelser Theatertradition
anknüpfend werden im Freien vor herrlicher Kulisse zwischen
den Burgmauern schon früher gespielte und neue Singstücke
aufgeführt. Die Skiabteilung des TSV Mitterfels organisierte
bereits zum zehnten Mal einen Christkindlmarkt, der sich mit
seinem Rahmenprogramm wohltuend von den üblichen Märkten
unterscheidet. Bei Freiluftkonzerten, Kunstausstellungen,
dem „Gartenfestival“ und zuletzt dem Burgmuseumsfest des neu
gegründeten Burgmuseumsvereins werden die verschiedenen
Burghofbereiche genutzt. Eine Begegnungsstätte der
besonderen Art ist entstanden.
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Burgmuseum Mitterfels
„Der Anlass, der uns heute hier
zusammengeführt hat, ist das 20-jährige Bestehen eines
Heimatmuseums, von denen es natürlich unzählige gibt, auf
die unzählige Gemeindeväter stolz sind, zumindest bei der
Eröffnung.
Unter
den unzähligen gibt es eine Reihe von besonderen und unter
den besonders gelungenen nur ganz wenige einmalige, solche
nämlich wie das Mitterfelser.“ So
begann der leider so früh verstorbene Kreisarchäologe Karl
Böhm seine Laudatio auf Sepp Brembeck zum 20-jährigen
Bestehen des Mitterfelser Heimatmuseums beim Festakt im
Turmzimmer des Museums (Dezember 2002), auf Sepp Brembeck,
der alles, was in den Zellen des ehemaligen Gefängnistraktes
der Burg Mitterfels ausgestellt ist, zusammengetragen hat.
„Er hat Vieles und wohl nicht selten Einmaliges erworben,
vor der gedankenlosen Zerstörung oder der Müllhalde bewahrt,
hat’s o’g’schmatzt, getauscht, in internationaler
Bierkastenwährung erworben oder sonst wie seiner Sammlung
einverleibt – wer’s ganz genau wissen will, erfährt’s noch
genauer: ’Ah ja, woaßt da’s ä selber, wia’s a so her gäd.‘
(Originalzitat Brembeck)“
(aus: Mitterfelser Magazin 9/2003)
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Vom Beamtendorf zur Wohngemeinde
2005 verlor Mitterfels das letzte Amt
Alois Bernkopf
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Mit Wirkung vom l. Oktober 2005 wurde das Forstamt
Mitterfels mit dem Amt für Landwirtschaft und Forsten in
Straubing fusioniert. Damit verlor Mitterfels die letzte
staatliche Behörde. Dabei war der Ort Mitterfels
jahrhundertelang
Verwaltungsmittelpunkt
eines Gebietes, das von Falkenstein im Nordwesten bis vor
die Tore der Stadt Deggendorf im Südwesten reichte. Nach dem
Aussterben der Grafen von Bogen im Jahre 1242 fiel die
große Grafschaft an die Wittelsbacher und Mitterfels erhielt
im Gebiet der bayerischen Herzöge eine zentralörtliche
Bedeutung. Es wurde
Sitz eines Pfleggerichts
und blieb fast 600 Jahre Verwaltungssitz eines der größten
Landgerichtsbezirke Bayerns. Der Pfleger von Mitterfels
hatte die Oberaufsicht über 50 Gerichtssitze, die sich aus
Edelsitzen, Hofmarken und Klöstern zusammensetzten. Dabei
war Mitterfels ein bescheidenes Dorf, das im Steuerbescheid
von 1579 als „Waldort“ bezeichnet wird, „das außer einer
mächtigen Burg nur 19 schindelbedeckte Häuser für Söldner
und Handwerker aufweist, vier davon gehören Amtspersonen
des Pfleggerichts.“ Daran änderte sich 200 Jahre kaum
etwas. In der „Fassion“ (Steuerbescheid) von 1808 werden
lediglich 32 Häuser festgestellt. 1799 wurden die
Pfleggerichte in Landgerichte umbenannt und Mitterfels wurde
Sitz eines Landgerichts.
1879 wurden die Landgerichte in „königlich-bayerische“
Amtsgerichte umbenannt und aus dem Landrichter wurde ein
Oberamtsrichter. 1973 wurde das
Amtsgericht
Mitterfels aufgelöst und im Zuge der Gebietsreform nach
Straubing verlegt. Allerdings sollte das Amtsgericht
Mitterfels schon früher aufgelöst werden. 1927 wurde ein
bereits erfolgter Auflösungsbeschluss nach heftigen
Protesten aus der Bevölkerung und einer „Großen
Protestkundgebung“ am 16. Oktober 1927 im Gasthof Abriel in
Mitterfels durch den bayerischen Ministerpräsidenten Dr.
Held zurückgenommen. Maßgeblichen Anteil daran hatte der
damalige Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Johann
Wartner aus Scheibelsgrub. Auch 1955 konnte die
beabsichtigte Auflösung des Amtsgerichts durch ein
ausführliches und drastisch formuliertes Schreiben des
damaligen Bürgermeisters Albert Dietl verhindert werden.
Nach einer umfangreichen Sanierung des Gerichtsgebäudes 1964
schien es zunächst gesichert, aber 1973 erfolgte das
endgültige Aus. Bereits 1838 war aus dem südlichen Teil des
Landgerichts Mitterfels das Landgericht Bogen gebildet
worden. 1861 wurde die Verwaltung und Rechtspflege in Bayern
getrennt und Bogen wurde Sitz des Bezirksamtes.
Die Reformen Montgelas
Durch die Reformen Montgelas, dem eigentlichen Schöpfer des
modernen bayerischen Staates am Beginn des 19. Jahrhunderts,
wurden aus den bisherigen Kastenämtern, die den
Landgerichten unterstanden, die Rentämter gebildet, die
späteren Finanzämter. Trotz dürftiger räumlicher
Verhältnisse blieb das neue
Rentamt
am Gerichtssitz Mitterfels. Der Rentamtsbezirk entsprach
dem Landgerichtsbezirk und umfasste ca. 800
Quadratkilometer. Er war in 50 Steuerdistrikte eingeteilt;
der größte war Bogen mit 904 Untertanen, der kleinste
Höhenberg bei Wiesenfelden mit 23 Untertanen. Das heutige
Gebäude in der Burgstraße entstand nach An- und Umbauten
erst 1911. Später beherbergte es die Polizeistation, heute
ist es eine Gaststätte („Felsenkeller“). Von der Zahl der
Beamten war das
Finanzamt
die größte Behörde in Mitterfels. Es beschäftigte immerhin
18 Beamte, die mit ihren Familien in Mitterfels wohnten. Es
ist verständlich, dass gerade die Geschäftsleute in
Mitterfels an der Erhaltung dieser Behörde am Ort
interessiert waren. Protest- und Bittschreiben namhafter
Persönlichkeiten aus Mitterfels, z.B. des
Bauernbund-Abgeordneten Johann Wartner oder des Benefiziaten
Krinner waren vergeblich. Am 30. Juni 1932 wurde das
Finanzamt Mitterfels aufgelöst. 1890 wurde in Mitterfels ein
Messungsamt
errichtet. Es umfasste das Gebiet des Bezirksamtes Bogen mit
den Distrikten Bogen und Mitterfels. 1920 war es mit 6
Beamten besetzt; zwei gehörten dem höheren Dienst an
(Amtsvorstand und Stellvertreter), dazu kamen zwei Sekretäre
und zwei Messungsgehilfen. Das Messungsamt war im ersten
Stock des „Lankes-Hauses“ in der Burgstraße 49
untergebracht. 1930 wurde das Messungsamt Mitterfels
aufgehoben und mit dem Amt in Straubing vereinigt. Der
Hauptgrund für die Auflösung des Finanzamtes und des
Messungsamtes war die Wirtschaftskrise Ende der 20er, Anfang
der 30er Jahre. Sie erzwang eine Verwaltungsvereinfachung,
die zu Einsparungen im Staatshaushalt führen sollte. Bereits
im Jahre 1857 wurde in Mitterfels auch eine
Sparkasse
gegründet. Nach den „Statutbestimmungen“ führte sie den
Namen „Sparkassa-Anstalt des Königlichen
Landgerichtsbezirkes Mitterfels“. „Weil die Bogener keine
eigene Spakasse auf die Beine brachten, änderte man die
Statuten im Jahre 1868 und dehnte das Geschäftsgebiet auch
auf den Bogener Landgerichtsbezirk aus“ (Otto Wartner,
„Mitterfelser Magazin“ Nr.1/1995, S. 15 f). Bis heute gibt
es in Mitterfels eine Zweigstelle der Sparkasse
Straubing-Bogen. Zur Vollständigkeit sei noch angeführt,
dass es in Mitterfels seit 1914 auch eine
Landkrankenkasse
gab, die 1934 aufgelöst wurde; eine bestehende
Ortskrankenkasse
war bereits 1922 wegen Überschuldung aufgelöst worden. Seit
1895 bestand auch ein
Krankenhaus
in Mitterfels. Es wurde 1936 aufgelassen und die drei
Mallersdorfer Schwestern kehrten ins Mutterhaus zurück. Auch
ein
Kindergarten
wurde bereits 1934 in Mitterfels eröffnet. Das Provinzialat
der Englischen Fräulein mit Sitz in Passau-Niedernburg hatte
die ehemalige Stempfhuber-Villa in der Straubinger Straße
von der Pfarrei gekauft und die Schwestern des Ordens bauten
den Kindergarten auf. Nach einer sehr bewegten Geschichte
konnte der Kindergarten „Don Bosco“ in Mitterfels 1999 sein
65-jähriges Jubiläum feiern.
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Die Nachkriegszeit
Kurz vor Kriegsausbruch 1939 erhielt Mitterfels eine
„Landwirtschaftsstelle“, die im ehemaligen Krankenhaus in
der Straubinger Straße untergebracht war. Nach häufigem
Wechsel des Beratungsdienstleiters in den Jahren 1946/1947
wurde die Dienststelle 1948 zu einem
Landwirtschaftsamt
aufgestuft. Neben der Beratungstätigkeit war das Amt auch
für die im gleichen Jahr angegliederte
Landwirtschaftsschule
für Burschen zuständig. 1950 wurde auch eine
Haushaltungsschule
für Mädchen gegründet. Nach 25-jährigem Bestehen wurde 1973
die Landwirtschaftschule wegen Schülerrückgangs geschlossen.
Die Haushaltungsschule wurde als
Berufsfachschule für Hauswirtschaft und
Kinderpflege
weitergeführt und hat heute einen Einzugsbereich, der über
den Landkreis Straubing-Bogen hinaus bis in die Landkreise
Cham und Regen reicht. Das Landwirtschaftsamt wurde unter
Landwirtschaftsdirektor Leo Gottschalk am 1. September 1972
dem Landwirtschaftsamt in Straubing eingegliedert. 1862
wurden in Bayern die Gendarmeriestationen eingerichtet.
Mitterfels war eine davon. Die
Landpolizeistation
war zuletzt untergebracht im ehemaligen Rentamtsgebäude.
1960 wurden die Landpolizei-Großraumstationen am jeweiligen
Landkreissitz eingerichtet. Lediglich acht Außenstellen in
Niederbayern wurden belassen, eine davon in Mitterfels. Hier
versahen nur vier Beamte den Dienst. Zum Dienstbereich
Mitterfels gehörten die Gemeinden Mitterfels, Haselbach,
Haibach, Dachsberg und Landasberg. 1963 wurde die
Außenstelle Mitterfels aufgelöst. Der ehemalige Landkreis
Bogen erhielt erstmals im Jahre 1945 ein eigenes
Forstamt.
Der 1. Dezember 1945 war die Geburtsstunde des Forstamtes
Mitterfels. Vier Außenstellen gehörten dazu: Bogen, Prünst,
Falkenfels und Stallwang. Konzell und Mitterfels folgten
erst später. Die ersten fünf Jahre war das Forstamt
behelfsmäßig im Landratsamt Bogen untergebracht. Von 1950
bis 1960 befand es sich in der oberen Burgstraße. Da ab 1958
dort auch die Forstdienststelle des Forstreviers Mitterfels
untergebracht werden musste, wurde der Neubau in der
Pröllerstraße errichtet, der 1960 bezugsfertig war. Das Haus
in der Burgstraße blieb weiterhin Forstdienststelle, deren
Revier 19 Gemeinden von Elisabethszell bis Unterzeitldorn
umfasste. Bereits 1973 musste das Forstamt Mitterfels um
seinen Bestand kämpfen. Auf Grund der Neugliederung der
bayerischen Forstämter wurden 65 Forstämter im Bereich der
Oberforstdirektion Regensburg aufgelöst, 13 davon in
Niederbayern. Das Forstamt Mitterfels blieb bestehen und
umfasste nun den gesamten Landkreis Straubing-Bogen
einschließlich der Stadt Straubing. Es war in sieben
Forstreviere eingeteilt: Mitterfels, Rettenbach I und II
(für den Staatswald), Neukirchen, Stallwang, Straubing und
Hofkirchen b. Mallersdorf und umfasste 29.096 Hektar
Waldfläche. Durch Ministerratsbeschluss von 11. Juli 1995
sollten weitere 30 Prozent des Forstpersonals
„sozialverträglich“ eingespart werden, d.h. Dienstposten,
die durch Ruhestandsversetzungen frei wurden, sollten nicht
mehr besetzt werden. Mitterfels hatte Glück und das Forstamt
wurde nach Ausscheiden von Forstdirektor Fritsch im Jahre
1997 weiterhin besetzt. Doch im Oktober 2005 ist es
endgültig aus mit dem Forstamt Mitterfels. Es wird dem „Amt
für Landwirtschaft und Forsten“ in Straubing eingegliedert.
Die Forstdienststelle Mitterfels mit Forstamtmann Denk
bleibt bis auf weiteres erhalten. Sie ist neben den weiteren
Forstdienststellen Konzell, Perasdorf, Aiterhofen und
Hofkirchen für die Beratung der Waldbesitzervereinigungen
zuständig. Als letztes der Ämter und Behörden in Mitterfels
ist nur das
Notariat
übrig geblieben. Es verdankt sein Bestehen ebenfalls dem
Sitz des Landgerichts in Mitterfels. 1861 wurde von König
Max II. das „Bayerische Notariatsgesetz“ unterzeichnet. 1862
wurden die ersten Notare vom König ernannt und mussten am
Sitz des Landgerichts ihren Wohnsitz nehmen. Sie waren bis
1937 Beamte, ihren Unterhalt jedoch sicherte eine
Gebührenordnung und die zahlenmäßige Beschränkung der
Zulassungen. Seit 1937 haben die Notare zwar keinen
Beamtenstatus mehr, aber sie sind Träger eines öffentlichen
Amtes. Der derzeitige Notar in Mitterfels, Rudolf Hötzl, hat
seit 2004 seine Diensträume im Sparkassengebäude in der
Lindenstraße.
Wohngemeinde mit hervorragender Infrastruktur
Trotz dieses Verlustes an Ämtern und Behörden hat sich
Mitterfels in den letzten 40 Jahren hervorragend entwickelt.
Allein die Bevölkerung hat in diesem Zeitraum um 50 Prozent,
das sind rund 1000 Einwohner, zugenommen und dies obwohl im
Gegensatz zu anderen Gemeinden bei der Gebietsreform 1978
keine Eingemeindungen vorgenommen wurden. Neben seiner guten
Infrastruktur und der ausreichenden Grundversorgung verfügt
der Ort über einige Einrichtungen, die seine überregionale
Bedeutung im Landkreis Straubing-Bogen unterstreichen.
Genannt seien hier der Sitz der
Verwaltungsgemeinschaft
für die Gemeinden Ascha, Falkenfels, Haselbach und
Mitterfels, die
Hauptschule mit den M-Klassen,
die zur „Mittleren Reife“ führen, die
Berufsfachschule für Hauswirtschaft und
Kinderpflege,
die
Kreismusikschule,
die
Bruder-Konrad-Werkstätte für Behinderte
und das
Seniorenheim des BRK.
Außerdem befinden sich in Mitterfels drei Praxen für
Allgemeinärzte, drei Zahnärzte, zwei Apotheken, eine
Tierarztpraxis, drei Bankfilialen, zwei Großmärkte, ein
Freibad mit Hallenbad und Sauna, das vom Biomasseheizwerk
beheizt wird, und ein Burgmuseum. |
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Das Perlbachtal
Alois Bernkopf
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Es gibt in dem der Donau zugewandten Teil des Vorderen
BayerischenWaldes wohl kaum ein Bachtal, das sich mit dem „Perlbachtal“
bei Mitterfels messen kann. Natürlich gibt bzw. gab es viele
Perlbäche im Bayerischen Wald. Auf einem Kartenblatt des
Landgerichts Mitterfels von 1829 sind acht „Perlbäche“
verzeichnet.
Die Perlfischerei
Den „Perlbächen“ hat natürlich die „Perlfischerei“ den Namen
gegeben.1 Die Landesherren sicherten sich das Perlvorkommen
in den Bächen zur Mehrung ihrer Einkünfte. So begann in
Bayern unter Kurfürst Maximilian I. (1597 - 1651) die
intensive Ausbeute der „Perlbäche“. Die Pfleg- bzw.
Landgerichte, so auch in Mitterfels, waren mit Überwachung
und Vollzug der Perlfischerei beauftragt. In der ersten
„Perlordnung“ von 1619 war alles geregelt: Rechte und
Zuständigkeiten, Überwachung und Inspektionen, Entlohnung
von Hegern und Pflegern, Festlegung der Fischzeiten, Strafen
für Perlräuber und für heimliches Handeln mit Perlen. Daher
gab es für Zuwiderhandlungen empfindliche Strafen, die vom
Einkerkern, Foltern, des Landes Verweisen, bis zum
Handabschlagen und Augenausstechen reichten. Die höchste
Strafe wurde vom Passauer Fürstbischof Johann Philipp
festgelegt:
„Darnach
wird jeder, der ein Perlwasser in diebischer Weiß betritt -
ob er etwas fängt oder nicht,
ohne alle Gnad und Barmherzigkeit also gleich aufgehenckt.“
Durch die vielen Kriegszeiten, die über den Bayerischen Wald
hereinbrachen, wurde der Perlmuschelbestand in Niederbayern
und der Oberpfalz schonungslos ausgeplündert. Vom Aussterben
bedroht ist die Perlmuschel jedoch erst in den letzten 50
Jahren. Saurer Regen, Einleitung von Abwässern und Einspülen
von Dünge- und Spritzmitteln haben die Perlmuschel fast
ausgerottet. Durch Kartierung und Gewässerentwicklungspläne
versucht man seit einigen Jahren, dem Einhalt zu gebieten
und die Perlmuschel zu retten. Auch in der Menach, an der
Gemeindegrenze Mitterfels - Haselbach, stellte man
fortpflanzungsfähige Restbestände fest.
Geologische und topographische Gegebenheiten
Das „Mitterfelser Perlbachtal“ ist ein
Teilstück der Menach, von Kreuzkirchen im Süden bis zur
ehemaligen Eisenbahnbrücke (heute Doanu-Regen-Radweg) im
Norden, das sind ca. vier Kilometer. Kein Mitterfelser würde
aber jemals das Perlbachtal als Menachtal bezeichnen. Über
die Namensdeutung „Menach“ wurde viel spekuliert. Dabei ist
nach Sigurd Gall die zweite Silbe „ach“ leicht zu erklären.
Sie stammt aus keltischer Zeit, bedeutet „fließendes Wasser“
und ist in vielen Gewässerund Ortsnamen enthalten.
Problematisch ist die erste Silbe „men“. Gall kommt zu dem
Schluss, die Menach könnte „das aus dem hervortretenden Berg
fließende Wasser“ sein. Die Menach mündet wie die übrigen
Bäche des Vorderen Bayerischen Waldes in die Donau. Wie die
benachbarte Kinsach und der Bogenbach schuf sie ein
Erosionstal. Gewaltige tektonische Vorgänge in Urzeiten der
Erdgeschichte schufen das Gefälle vom alten Deckgebirge des
Bayerischen Waldes aus Granit und Gneis zum Donautal. Durch
den Wechsel von Warmzeiten und Kaltzeiten (die letzte
Eiszeit endete vor 10.000 Jahren) wurde die Landoberfläche
zur heutigen Form modelliert. Unsere heute meist so
friedlich dahinfließenden Bäche wirkten dabei mit. Die
benachbarte Kinsach schuf ein richtiges breites Urstromtal.
Die Menach dagegen suchte sich ihren Weg, indem sie das
härtere Gneisgestein umfloss oder mit Hilfe von Frosterosion
tiefe Schluchten im Granitgestein schuf. Solche Schluchten
oder Taldurchbrüche der Menach finden wir bei Konzell, bei
Haselbach (Wenamühl) und im besagten „Perlbachtal“ bei
Mitterfels.
Als
imposantestes Felsgebilde entstand dabei der
„Teufelsfelsen“. Vom Burghof geht es 50 Meter bergab und
von der Talmühle aus 100 Meter steil bergauf nach Buchberg.
1873 veröffentlichte Kanonikus Prof. Dr. Gmelch in der
Zeitschrift „Deutscher Hausschatz“ einen Artikel über
Mitterfels unter dem Titel
„Mitterfels, ein kleines Jerusalem“
Er hatte Mitterfels als Urlaubsaufenthalt
gewählt und schilderte überschwänglich die dortigen
landschaftlichen Reize „Hoch über dem Perlbach, der hier
eine tiefe, schmale Schlucht in Kaskaden durchbraust, erhebt
sich auf zerklüftetem Urgestein die schmucke Ortschaft, auf
drei Seiten umrahmt von der blauen Kette der bayerischen
Waldberge, mit einem weiten Blick hinab in die fruchtbare
Donauebene, ja sogar bis zu den Salzburger Alpen.“ Die
vielgestaltige Topographie der Umgebung bringt ihn auf die
Idee, die Lage von Mitterfels mit der von Jerusalem zu
vergleichen. Als bibelkundiger Chorherr ordnet er die
verschiedenen Landschaftsteile bekannten Örtlichkeiten aus
der Bibel zu: Im Perlbachtal sieht er das Kidrontal, über
die „Kidronbrücke“ an der Talmühle führt der Weg zum
Buchberg, den er mit dem Oelberg vergleicht … Seit dieser
Zeit wurde das Synonym Bayerisches Jerusalem“
jahrzehntelang in der Fremdenverkehrswerbung verwendet. Im
Jahre 1937 erschien im Verlag Stolz in Mitterfels sogar eine
kleine Schrift mit dem Titel „Mitterfels, ein kleines
Jerusalem“. Heute wird der Vergleich freilich nicht mehr
gebraucht.
Von der Sommerfrische zum Luftkurort
Die landschaftlichen Vorzüge lockten schon frühzeitig
Feriengäste an. Der Fremdenverkehr spielte in Mitterfels
fast ein Jahrhundert lang eine bedeutende Rolle. 1996 konnte
der „Verkehrs- und Verschönerungsverein Mitterfels“ seinen
100. Geburtstag feiern. Wie FranzWartner in der Mitterfelser
Chronik schreibt, wird bereits in den Jahren 1893 und 1896
in den Gemeindeprotokollen ein „Verschönerungsverein“
vermerkt, der sich seit Eröffnung der Bahnlinie Steinburg -
Konzell um die Aufstellung von Laternen im Ort und der neuen
Bahnhofstraße bemüht. 1896 errichtete der Straubinger
Bierbrauer Leser, die Zeichen der Zeit erkennend, am neuen
Bahnhof eine „Schank- und Gastwirtschaft mit
Fremdenbeherbergung“. 1910 gibt es bereits eine Satzung mit
heute noch brauchbaren Zielen: Verschönerung des Ortes,
Hebung des Fremdenverkehrs, Erschließung der
Naturschönheiten durch Wege, Stege, Markierungen und
Anpflanzungen. Vorstände des Vereins waren meist Beamte. Aus
den Jahren 1901, 1902 und 1910 künden Postkarten von der
„Sommerfrische Mitterfels“. 1937 wurde der erste Prospekt
gedruckt.7 Da Mitterfels seit 1936 ein Freibad, das
„Waldbad“ an der Menach besaß, konnte der Ort vor dem 2.
Weltkrieg bereits 100 Fremdenbetten vorweisen. 1957 wurde
Mitterfels sogar das Prädikat „Luftkurort“ zuerkannt. Auch
diese Auszeichnung hat Mitterfels dem „Perlbachtal“ zu
verdanken. Die Fortschreibung dieses Prädikates ist nämlich
von der von Zeit zu Zeit erforderlichen Klimaanalyse des
Deutschen Wetterdienstes abhängig. Im Gutachten von 1982
heißt es hierzu: Durch die Nähe zur Donauebene weist
Mitterfels im Hochsommer für einen Luftkurort zu viele
schwüle Tage auf. Entlastung erfährt es jedoch durch die
nächtliche Abkühlung „des abendlichen Austausches der
wärmeren Luft durch frischere Luftmassen infolge einer
Bergwindzirkulation im Einzugsbereich des Menach -Tales“. In
den 80er Jahren stieg die Zahl der Übernachtungen
vorübergehend auf 60.000 an. Bei den gestiegenen Ansprüchen
des Tourismus besonders im Wellness- und Funbereich kann
Mitterfels bei einem bestimmten Klientel nicht mehr
mithalten. Bei Urlaubern, die nicht Events, sondern den Reiz
der Landschaft, Kultur und Ruhe suchen, ist Mitterfels immer
noch eine gute Adresse.
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Mitterfels, Luftaufnahme 2007 aus
http://www.wikimapia.org |
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Die Urheberrechte zu diesem Text liegen bei:
http://www.bayerischer-wald-verein.de
Es ist ein Auszug aus der Datei:
http://www.bayerischer-wald-verein.de/archiv/archivbaywald/2006/02/inhalt.pdf
Mit freundlicher Genehmigung durch Hr.
Haymo Richter
Impressum u. Haftungsausschluss |
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